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Warum viele Menschen die Stille fürchten

Eigentlich ist Stille ja etwas Wunderbares. Unter gewissen Umständen empfinden viele Menschen das aber als geradezu bedrohlich. Aus einem Text des Psychologen Carl Gustav Jung möchte ich dazu folgenden Auszug wiedergeben:

„…Die meisten Menschen fürchten die Stille, darum muss immer, wenn das beständige Geräusch, z.B. einer Unterhaltung, aufhört, etwas getan, gesagt, gepfiffen, gesungen, gehustet oder gemurmelt werden. Das Bedürfnis nach Geräusch ist beinahe unersättlich, wenn schon bisweilen der Lärm unerträglich wird. Es ist aber doch immerhin besser als gar nichts. In der bezeichnenderweise sogenannten „Totenstille“ wird es unheimlich. Warum? Gehen etwa Gespenster um? Dies wohl kaum. Das, was in Wirklichkeit gefürchtet wird, ist das, was vom eigenen Innern kommen könnte, nämlich all das, was man sich durch Lärm vom Halse gehalten hat.

C.G. Jung gibt damit indirekt einen Hinweis darauf, warum vielen Menschen der Zugang zur Meditation so schwer fällt. Stille ist unangenehm. Was diese Menschen oft nicht wissen, ist, dass eine richtig angeleitete Meditationspraxis effektive Hilfestellungen gibt, um mit unangenehmen Geistesformationen konstruktiv umzugehen.

Quelle des Zitats: „Bausteine: Reflexionen zur Psychologie von C.G. Jung“ (Herausgegeben von Andreas Schweizer & Regine Schweizer-Vüllers im Verlag Daimon)

Die Glaskörper-Meditation

Diese wirkungsvolle und schöne Methode ist mir während einer langen Meditationssitzung gewissermaßen „zugeflogen“. Sie entstand als Visualisierung der Selbstwahrnehmung und führte mich tief ins Hier und Jetzt.

Foto: Daniele Levis Pelusi auf Unsplash.com

Die Glaskörper-Meditation ist eine Methode, die durch das Hilfsmittel der Visualisierung den Zugang zum Erlebnis von Meditation ermöglichen kann. Da sie mit Vorstellung und Visualisierung arbeitet, ist sie eine kontemplative Methode. Das macht sie nicht weniger wertvoll, denn Methoden sind und bleiben einfach Methoden und sind niemals die Meditation selbst. Methoden sind lediglich Hilfsmittel, wie auch die Betrachtung des Atems bei der klassischen Shamata-Methode ein Hilfsmittel für die Beruhigung des Geistes ist.

Die Praxis der Glaskörper-Methode setzt ein gewisses Maß an bildlichem Vorstellungsvermögen voraus, was aber den meisten Menschen von Natur aus gegeben ist.

Die Vorstellung des eigenen, zunächst kompakten Körpers, der im Verlauf der Übung in der Vorstellung immer leichter, durchlässiger und transparenter wird, ist der vordergründige Zweck der Methode.
Lässt man sich darauf ein, so entsteht ein sich zunehmend vergrößernder innerer Raum und ein Gefühl der Befreiung aus der Einengung des eigenen Körpers.

Foto: Sharon Pittaway auf Unsplash.com

Der in der Vorstellung ausgedehnte, innere Raum, wird nun meist als freier Raum ohne Widerstände und Anhaftungen in Bezug auf Gedanken, Gefühle, Emotionen und körperliche Empfindungen empfunden. Diese Geistesformationen bleiben im Fluss. Sie kommen und sie gehen ohne in einem körperlich eingegrenzten Raum gefangen zu sein.

Eine nicht-identifizierte Wahrnehmung, die mit einer entspannten inneren Haltung einher geht, leitet den Prozess des Loslassens ein!

Mit dem ablaufenden Prozess beruhigt sich der Geist und nimmt die Haltung des Beobachters gegenüber aufkommenden Gedanken, Gefühlen, Emotionen und Empfindungen ein.
Zusätzlich ist es hilfreich, das Gefühl der Entspannung in den inneren Raum „strahlen“ zu lassen. Dies erleichtert die Fähigkeit zum Loslassen ganz enorm.

Sofern man dem in der Übung ablaufenden Prozess folgen wollte und konnte, ist das Erlebnis von Meditation vorbereitet.
Wer dann noch Geduld aufbringt, neugierig ist und seine innere Haltung der Entspannung immer wieder auffrischt, wird meditative Momente fast garantiert erleben.

Praktische Anleitung zu dieser Methode gibt es in meinen Kursen oder auf Anfrage.
Eine Terminliste gibt es auf meiner Webseite unter http://pro-nutrimentum.de/termine/index.html