Archiv für den Monat: August 2019

Wahrhafte Begegnungen im Zeitenwechsel

Kürzlich hatte ich an einem Tantra-Seminar teilgenommen. Oft wird angenommen, dass es bei solchen Seminaren lediglich um Sex ginge und es sich bei solch einer Veranstaltung im schlimmsten Fall um Gruppensex bei Räucherstäbchen handelt.

Um diesem Missverständnis vorzubeugen, sei gesagt, dass es bei einem seriösen tantrischen Workshop oder Seminar zu mehr als 90% um bioenergetische Arbeit geht und der Rest – wenn überhaupt – sexuelle Handlungen sind.

Warum beschäftige ich mich mit Tantra?

Jeder von uns hat mehr oder weniger intensiv mit anderen Menschen zu tun. Da gibt es geschriebene und ungeschriebene Gesetze, die den Umgang regeln und es gibt solche, die ganz individuell sind. Unter den individuellen gibt es wiederum solche, die uns bewusst sind und solche, die unbewusst sind. In jedem Fall richten wir uns nach diesen Regelungen und sind mehr oder weniger damit einverstanden.

Auf der anderen Seite haben wir auch unsere Wünsche. Gerade im zwischenmenschlichen Bereich stoßen wir dabei oft an Grenzen, weil wir uns nicht trauen, diese Wünsche zu äußern. Je mehr diese Wünsche allgemein oder individuell tabuisiert sind, desto mehr keimt in uns die Angst vor Abweisung auf.

Besonders in unseren modernen Gesellschaften sind Wünsche und Bedürfnisse sexueller Natur mit Tabus belegt. Es klingt paradox, aber der größte Traffic im Internet fällt heutzutage auf Seiten mit pornographischem Inhalt, während wir uns im Alltag eher prüde begegnen.

Dieses Paradox beeinflusst natürlich unsere Lebenspartnerschaft, unsere Liebesbeziehungen, Freundschaften. Offenbar gibt es viele unerfüllte Wünsche und Begierden, mit denen wir unsere Nächsten aus Furcht vor Ablehnung nicht konfrontieren wollen und weichen lieber heimlich auf die virtuelle Welt der Begierden aus oder suchen uns nebenbei heimlich jemanden, der oder die unsere Wünsche und Begierden befriedigt.

Der Fokus der Betrachtung liegt dabei darauf, dass es heimlich getan wird. Am besten soll es niemand wissen, was wir wirklich begehren und wünschen. Dabei trennen wir uns von uns selbst, werden uneins, unerfüllt, häufen seelischen Ballast an.

Ein Grund für dieses Paradox dürfte sein, dass wir allgemeine wie auch individuelle Tabus derart verinnerlicht haben, dass wir diese kaum oder gar nicht mehr in Frage stellen. Wir halten sie selbst dann noch für einen selbstverständlichen Teil unseres menschlichen Daseins, wenn wir in wachen Momenten feststellen, dass wir falsch leben und im Grunde doch eher dem Motto folgen sollten, das sagt: „Wer nicht begehrt, lebt verkehrt.“

Als unbestreitbare Tatsache stelle ich in den Raum, dass sexuelle Energie reine Lebensenergie ist.
„Wir leben in einem sexuellen Universum…“, schreibt Saleem Matthias Riek in seinem Buch „Herzenslust“. Da ist Anziehung, Kreativität, Liebe, Ekstase. All das gibt uns die Natur in ihren vielfältigsten Formen vor und bezieht uns dabei mit ein. Wir sind davon nicht getrennt.

Unterdrücken wir unseren sexuellen Anteil, unterdrücken wir demnach unsere Lebensenergie.
In der Chakrenlehre steigt die Lebensenergie als sexuelle Energie vom untersten Chakra aus dem Becken nach oben und verfeinert sich auf ihrem Weg durch die 7 Chakren, verwandelt sich zu Willenskraft, Liebe, Mitgefühl, Intuition, bis hin zum sogenannten kosmischen Bewusstsein, das Menschen zur Erleuchtung führt. Die sexuelle Energie ist der Urstoff des Lebens, der sich vielfältig und erfüllend verwandeln kann, sofern man mit ihm intelligent umgeht.

In der Begegnung mit anderen Menschen erfahren wir uns selbst zusammen mit dem anderen Menschen. Wir berühren gegenseitig unsere Gefühlswelt, erzeugen Emotionen und aktivieren unterdrückte „Kellergefühle“, die aus früheren Verletzungen entstanden, und die tief in uns verborgen liegende Energiefresser sind.

Wie kann man mit seinen Gefühlen, Wünschen und Begierden umgehen, so dass keine unnötigen Verletzungen entstehen, sondern Erfüllung und Ganzheit des Seins entstehen können?

Das absolut Wichtigste dürfte sein, sich selbst besser kennen zu lernen, sich mehr und mehr selbst zu verstehen und anzunehmen.
Bildlich dargestellt gehe ich dabei wachen Auges auf mich selbst zu, sage mir meine eigene Wahrheit ins Gesicht und umarme mich selbst liebevoll – so, wie eine liebende Mutter ihr Kind umarmt.
Ich mache mich damit verletzlich, ich öffne mich meiner eigenen Wahrheit ohne Mauern und nehme mich so an, wie ich bin.

Wenn mir das – nach einiger Übung – gelingt, bemerke ich, dass ich in anderen Menschen im Grunde die gleichen Bedürfnisse und Wünsche erkenne, die ich selbst habe. Ich erkenne in ihnen vergleichbare Verletzungen und Ängste.

Mich für mich selbst zu öffnen, öffnet mich auch für andere Menschen. Offenheit für mich selbst lässt auch zu, dass ich mich mehr und mehr meinen verborgenen Gefühlen widmen kann, um sie irgendwann endgültig loslassen zu können, anstatt sie weiter als Ballast mit mir herumzutragen.
Ein großes Stück Freiheit und Lebenskraft wird spürbar, die auch für andere Menschen spürbar werden.

Achtsamkeit mir selbst gegenüber ist die erste Grundregel

Achtsamkeit ist das Motto. Grundsätzlich ist es von großer Wichtigkeit, ganz dicht bei seinen eigenen, inneren Prozessen zu bleiben.
Wenn ich weiß, wie ich selbst ticke, bin ich auch empathisch gegenüber der Welt eines anderen Menschen und werde mich dementsprechend respektvoll und mitfühlend nähern und verhalten.
Was auch immer hochkommt bei Begegnungen – Gefühle, Emotionen – es gehört zu mir und es ist nicht da, um mich zu ärgern, sondern um mir zu helfen und mich zu leiten und auf diese Weise Missverständnisse und Enttäuschungen bei Begegnungen mit anderen Menschen zu vermeiden.

Viele Menschen haben gemerkt, dass die Zeit angebrochen ist, um sich zu öffnen und wahr zu werden und Liebe, Mitgefühl und Respekt miteinander zu teilen.
Die fragmentierende innere Haltung, die man vielleicht einen geistigen Materialismus nennen könnte und zu Trennung von sich selbst und anderen Wesen auf dieser Erde führt, hat immer weniger Bestand.

Ob es der Weg des Tantra ist oder ein anderer, dürfte weniger wichtig sein. Es geht darum, mit sich selbst ins Reine zu kommen und innere Mauern einzureißen.
Bei diesem Prozess wird klar werden, dass sich Wahrheit, Liebe, Offenheit und Respekt auf alle Bereiche des gesamten Lebens ausweiten und diese konstruktiv transformieren.

Die Glaskörper-Meditation

Diese wirkungsvolle und schöne Methode ist mir während einer langen Meditationssitzung gewissermaßen „zugeflogen“. Sie entstand als Visualisierung der Selbstwahrnehmung und führte mich tief ins Hier und Jetzt.

Foto: Daniele Levis Pelusi auf Unsplash.com

Die Glaskörper-Meditation ist eine Methode, die durch das Hilfsmittel der Visualisierung den Zugang zum Erlebnis von Meditation ermöglichen kann. Da sie mit Vorstellung und Visualisierung arbeitet, ist sie eine kontemplative Methode. Das macht sie nicht weniger wertvoll, denn Methoden sind und bleiben einfach Methoden und sind niemals die Meditation selbst. Methoden sind lediglich Hilfsmittel, wie auch die Betrachtung des Atems bei der klassischen Shamata-Methode ein Hilfsmittel für die Beruhigung des Geistes ist.

Die Praxis der Glaskörper-Methode setzt ein gewisses Maß an bildlichem Vorstellungsvermögen voraus, was aber den meisten Menschen von Natur aus gegeben ist.

Die Vorstellung des eigenen, zunächst kompakten Körpers, der im Verlauf der Übung in der Vorstellung immer leichter, durchlässiger und transparenter wird, ist der vordergründige Zweck der Methode.
Lässt man sich darauf ein, so entsteht ein sich zunehmend vergrößernder innerer Raum und ein Gefühl der Befreiung aus der Einengung des eigenen Körpers.

Foto: Sharon Pittaway auf Unsplash.com

Der in der Vorstellung ausgedehnte, innere Raum, wird nun meist als freier Raum ohne Widerstände und Anhaftungen in Bezug auf Gedanken, Gefühle, Emotionen und körperliche Empfindungen empfunden. Diese Geistesformationen bleiben im Fluss. Sie kommen und sie gehen ohne in einem körperlich eingegrenzten Raum gefangen zu sein.

Eine nicht-identifizierte Wahrnehmung, die mit einer entspannten inneren Haltung einher geht, leitet den Prozess des Loslassens ein!

Mit dem ablaufenden Prozess beruhigt sich der Geist und nimmt die Haltung des Beobachters gegenüber aufkommenden Gedanken, Gefühlen, Emotionen und Empfindungen ein.
Zusätzlich ist es hilfreich, das Gefühl der Entspannung in den inneren Raum „strahlen“ zu lassen. Dies erleichtert die Fähigkeit zum Loslassen ganz enorm.

Sofern man dem in der Übung ablaufenden Prozess folgen wollte und konnte, ist das Erlebnis von Meditation vorbereitet.
Wer dann noch Geduld aufbringt, neugierig ist und seine innere Haltung der Entspannung immer wieder auffrischt, wird meditative Momente fast garantiert erleben.

Praktische Anleitung zu dieser Methode gibt es in meinen Kursen oder auf Anfrage.
Eine Terminliste gibt es auf meiner Webseite unter http://pro-nutrimentum.de/termine/index.html