Archiv für den Monat: Dezember 2018

Die Welt ist ein Spiegel

Immer und immer wieder sollte man sich klar machen, dass die äußere Welt ein Spiegelbild der inneren Welt jedes Einzelnen ist. Die inneren Werte, Überzeugungen und Handlungen jedes Einzelnen erzeugen die sichtbare Welt im Außen.

Quelle: Dan Botan (Unsplash.com)

Kann die äußere Welt verändert werden, ohne dass eine „kritische Masse“ aus Individuen ihre inneren Werte, Überzeugungen und Handlungen verändert? Nein.
Die äußere Welt verändert sich mit der Veränderung der inneren Welt, ebenso, wie ein Spiegelbild sich ändert, wenn sich der Betrachter ändert.

„When you find pease, your peace will touch the world a lot more, than any propaganda will do…“
(Mooji)

Ebenso, wie die großartigen Fortschritte in Technologie einem brillanten Verstand entspringen, ebenso zeugt unser Umgang mit uns selbst und unserer Mitwelt, dass wir uns emotional nicht weiterentwickelt haben. Immer noch lebt das wilde und verängstigte und kampfbereite Tier in unserem Kopf. Wir sehen die Konflikte in der Welt um uns herum und überlegen, wie wir dagagen ankämpfen können. Aber wir wenden uns nicht unseren eigenen, inneren Konflikten zu, aus denen die äußeren Konflikte entstehen. Auf diese Weise kämpfen wir im Kampf gegen die äußeren Konflikte eigentlich gegen uns selbst.
Es nützt nicht, den Spiegel zu verurteilen, weil uns das Bild nicht gefällt.

„The only hope for humankind is the transformation of the individual.“
(Jiddu Krishnamurti)

 

Wintersonnenwende

Der 21. Dezember ist der kürzeste Tag des Jahres, dem die längste Nacht des Jahres folgt. Dies ist dann auch die Geburt des Lichtes, da nach diesem Datum die Tage allmählich wieder länger werden.

Ähnlich wie mit dem Wechsel der Jahreszeiten, können wir in dieser Nacht im Dezember sehr unmittelbar an diesem kosmischen Ereignis hier auf der Erde teilhaben.
Die Wintersonnenwende fällt in den Zeitabschnitt der Raunächte vom 21.12. bis zum 06.01. des folgenden Jahres.

Es ist eine Zeit der Rückschau und Neuausrichtung. Das scheidende Jahr kann abgeschlossen werden und Pläne und Ziele für die kommende Zeit können visualisiert werden.

So finden in der Nacht des 21. Dezember auf den 22. Dezember Rituale statt, die wir am sinnvollsten in der Gemeinschaft feiern. Es ist eine überaus intensive und kraftvolle Zeit, die wir nicht ungenutzt verstreichen lassen sollten.

Unsere eigene, innere Welt der Gedanken, Gefühle, Träume und Wünsche wird in dieser Zeit sehr deutlich, so dass wir eingeladen und aufgefordert sind, uns damit zu beschäftigen. Wir tun das in Meditation, mit Tanz und Gesang und sind während dieser rituellen Feier ganz besonders achtsam mit uns selbst und unseren Gefährten.

Die Zeit anhalten!

Das Gespür für die Verbindung zu uns selbst und zu den Kräften der Natur, des Himmels und der Erde, geht in der Betriebsamkeit des Alltags allzu schnell verloren.
Aber gerade in diesem letzten Abschnitt des Jahres sind Emotionen und körperliche Empfindungen besonders präsent und verlangen nach Aufmerksamkeit. Das ist ganz natürlich und entspricht der energetischen Qualität dieser Zeit. Deshalb achten wir sehr genau auf die Dinge, die sich in uns zeigen und nehmen Abstand von den Reizen, die unsere laute und technisierte Welt verursacht, um ganz bei uns selbst zu sein.

Meditationspraxis: heiße und kühlende Langeweile

Langeweile ist etwas, das unser Geist überhaupt nicht mag. Für ihn ist es die reine Folter.
Weil wir seine Qualen kennen und spüren, haben wir uns darauf eingerichtet, ihm immer genug Unterhaltung und Abwechslung zu bescheren, schließlich ist die Welt nicht erst seit der Machtübernahme durch das Smartphone bunt und bewegt.

Ausgerechnet jetzt, wo ich mich 24 Stunden am Tag mit Reizen satt füttern lassen kann, tauchen verstärkt seltsame Menschen auf, die uns die Quelle der Langeweile schmackhaft machen wollen.
Sie reden von Meditation, innerer Einkehr, Selbsterkenntnis, innerem und äußerem Frieden und Entspannung – lauter Begriffe, die so gar nicht zum quirligen Treiben unserer Jetztwelt passen wollen. Eine recht kantige Sache mit solch weichgespülten Versprechen.

Als ich vor vielen Jahren mit Meditation begann, habe ich bereits nach zehn Sitzminuten die formatfüllende Tragweite von „heißer Langeweile“ erleben dürfen. Mein Geist lief Amok! Er präsentierte mir Erinnerungen, phantastische Geschichten und prächtige und bunte Zukunfstpläne.
Die Anweisung meines damaligen Yogalehrers, mich auf meinen Atem zu konzentrieren, verschwand im Nu unter einer Lawine von Gedanken und Gefühlen.

Es sollte Jahre dauern, bis ich mich zu einem neuen Versuch mit Meditation entschließen würde. Es war die Zeit der 80er-Jahre in Osho’s Ashram in Oregon, wo wir täglich in Gruppen stille und dynamische Meditationstechniken übten. Wahrscheinlich ist es der Gruppendynamik zu verdanken, dass ich bei der Stange blieb und mir einige „Erfolge“ gelangen, die Barriere der Langeweile zu überwinden und in tiefere Ebenen meines Geistes vorzudringen.

Aber auch in diesen, mir bis dahin noch unbekannten geistigen Ebenen, gab es eine Art von Langeweile, die sich deutlich von der Enge und Beklommenheit früherer Erfahrungen unterschied und eher eine erfrischende Form von „Langeweile“ ist. Ich erlebte sie als eine weiche, warme und zarte Ruhe, in der nichts störte. Die Befremdlichkeiten und Dissonanzen aus meiner gewohnten äußeren Welt, hatten hier keine scharfen Kanten, alles floss harmonisch und rund ineinander.
Die Erfahrung dieser Meditationen hinterließ in der Zeit danach einen Nachhall, den ich heute als das Erwachen von Mitgefühl bezeichne, das sich nicht auf irgendetwas oder irgendjemanden beschränkt, sondern nach allen Seiten strahlt.

Es ist nicht immer so geblieben. Es gab und es gibt immer wieder „Rückfälle“ in alte und begrenzende Gewohnheiten, die aus diesem geistigen Konstrukt aus Erinnerungen, Verletzungen und Überzeugungen genährt werden, die man gemeinhin „Ego“ nennt.
Dennoch, die konsequente Praxis der Meditation führt dazu, dass „Ego“ transparenter wird. Es verliert durch diese Transparenz seine Maske und wird immer deutlicher als das erkennbar, was es tatsächlich ist: eine gewohnte Vorstellung ohne wirkliche Substanz.

Meditation ist, wenn man sich endlich mal dazu aufgerafft hat, keine „Instant-Pille“, die man nur einmal nimmt und glaubt, dass alles getan ist.
Meditation ist eine wirkliche Herausforderung, die man mit der Besteigung eines Gipfels vergleichen kann. Das Hindernis der anfänglichen Langeweile, welche die Phantasie für Ausflüchte beflügelt, kann einem den Mut nehmen. Der zunehmend weiter werdende Ausblick auf die eignene faszinierende innere geistige Landschaft aber belohnt über alle Maßen, sofern man dran bleibt!

Im tibetischen Buddhismus gibt es den Begriff „Maitri“. Zusammenfassend beschreibt er die wohltuenden Eigenschaften, die durch die Praxis der Meditation entwickelt und gestärkt werden: Liebe, Mitgefühl, Loyalität, Freundlichkeit, Sanftmut, Standhaftigkeit, Ausdauer, Konzentration und Gleichmut und in Kombination aller Eigenschaften, ist es ein Weg zu innerem und äußerem Frieden…