Mitgefühl, Mitleid und Empathie

Im üblichen Sprachgebrauch werden Mitgefühl und Mitleid oftmals als gleichbedeutend verwendet. Dies ist aber nicht korrekt.
Empathie wird oft als innere Haltung irgendwo zwischen Mitgefühl und Mitleid angesiedelt.

In der buddhistischen Psychologie werden die Begriffe und ihre Bedeutung sehr genau getrennt.

Mitgefühl hat zwei Aspekte. Der eine Aspekt entspricht einer bedingungslosen, inneren Haltung, die von der Fähigkeit gekennzeichnet ist, sich in andere Wesen einzufühlen, also deren Situation und Befinden zu erfühlen und zu verstehen und sich mit anderen Wesen verbunden zu fühlen. Es entspricht einer akzeptierenden und gleichmütigen Haltung.
Der andere Aspekt ist die Motivation helfen zu wollen und dies auch zu tun. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, die Ursachen zu erkennen und zu behandeln.

Mitleid ist eine Emotion des Bedauerns über eigenes Leid und über das Leid anderer. Es erzeugt ein Gefühl der Überlegenheit und Getrenntheit und ist nicht selten Auslöser von Arroganz. Hilfreich ist es in keinem Fall, da es darüber hinaus hilfreiche Impulse blockiert und Leid unter Umständen sogar verstärkt. Begleiter von Mitleid können Wut und Zorn auf die Leid verursachenden Umstände sein.

Empathie ist weder eindeutig Mitgefühl, noch ist es eindeutig Mitleid. Empathie liegt dazwischen, da zwar Einfühlungsvermögen vorhanden ist, dem aber nicht zwangsläufig eine Handlung folgt. Empathie kann durchaus Züge des Mitleids annehmen.


Quellen dieser Betrachtung sind eineseits Erklärungen aus der buddhistischen Psychologie und andererseits von mir zusammengefasste Inhalte, die zum Thema „Mitgefühl in Alltag und Forschung“ von der Max-Planck-Gesellschaft veröffentlicht wurden (https://de.scribd.com/doc/243668976/mitgefuehl-in-alltag-und-forschung-pdf)

Ein Gedanke zu „Mitgefühl, Mitleid und Empathie

  1. Jens-Uwe Zäumer

    In der buddhistischen Psychologie werden die Begriffe und ihre Bedeutung sehr genau getrennt.
    Mitgefühl hat zwei Aspekte.
    Der eine Aspekt entspricht einer bedingungslosen, inneren Haltung, die von der Fähigkeit gekennzeichnet ist, sich in andere Wesen einzufühlen, also deren Situation und Befinden zu erfühlen und zu verstehen und sich mit anderen Wesen verbunden zu fühlen. Es entspricht einer akzeptierenden und deshalb (positiv) gleichmütigen (möglichst helfenden) Haltung.

    Der andere Aspekt ist die Motivation helfen zu wollen und dies auch zu tun. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, die Ursachen zu erkennen und zu behandeln.

    Empathie ist weder eindeutig Mitgefühl, noch ist es eindeutig Mitleid. Empathie liegt dazwischen, da zwar Einfühlungsvermögen vorhanden ist, dem aber nicht zwangsläufig eine Handlung folgt. Empathie kann durchaus Züge des Mitleids annehmen.

    Anmerkung: Empathie ist die „sensorische“ und gefühlsmäßige Folge der zentralen Eigenschaft des unverteidigten Herzens namens „Offenheit“.
    Empathie ist also die Grundlage für die wahre Natur des Herzens: Mitgefühl. Ebenso kann das Ego des Verstandes durch Empathie empfangene Empfindungen für die Entstehung eigener Emotionen nutzen, beispielsweise für die Entstehung von Mitleid.

    Mitleid ist eine Emotion des Bedauerns über eigenes Leid…

    Anmerkung: (sogenanntes Selbst-Mitleid als dauer-hafte Emotion, bei der das Selbst sich selbst an-dauernd traurig über sich selbst und die Situation des eigenen Selbst fortwährend beklagt)

    und über das Leid anderer.

    Anmerkung: (sogenannte Fremd-Traurigkeit liegt (analog zum Fremd-Schämen…) besteht, wenn das Ego das Leid des „anderen“ als „eigenes“ Leid annimmt (soweit so gut, aber: und daran anhaftet anstatt die Emotion einfach nur zu erlauben und gegebenenfalls versucht, die Emotion des anderen zu klären (bei bestimmten siddhis ist das möglich, dann ist die Traurigkeit aber nicht dauerhaft) – aber die Ursache liegt im Verstand und damit im Ego des „anderen“ – besser ist gütiger, wohlwollender Gleichmut und anschließend aktive Hilfe auf Grund von Mitgefühl – Definition siehe oben))

    Begleiter von Mitleid können Wut und Zorn auf die Leid verursachenden Umstände sein.

    Anmerkung: Wut und Zorn sind Emotionen zur Überdeckung von Traurigkeit, oftmals, weil der selbst empfundene Schmerz scheinbar zu groß wird. Das Ego agiert dann aggressiv, „um nicht in Traurigkeit zu ertrinken“. Bei Selbst-Mitleid können diese kämpferischen Emotionen nach innen (in diesem Fall das Ego gegen sich selbst) oder außen (andere sind „schuld“) projeziert werden. Bei Fremd-Mitleid äußert sich die aggressive Abwehr der empfundenen Fremd-Traurigkeit beispielsweise durch wenig hilfreiche Auf-forderungen wie: „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ Das wirkt manchmal wie Arroganz (und erzeugt oder verstärkt beim Leidenden das Gefühl der Getrenntheit), ist es in diesem Fall aber nicht Arroganz, sondern Abwehr des Egos von auf Grund von Empathie empfundener Traurigkeit.

    Es erzeugt ein Gefühl der Überlegenheit und Getrenntheit und ist nicht selten Auslöser von Arroganz.

    Anmerkung: Mitleid setzt (gemäß Definition siehe oben) Bedauern voraus, also den Umstand, dass man dauerhaft mit-leidet. Bei Überheblichkeit (enthält einen gewissen Teil Verachtung) fehlt aber das Bedauern völlig MANGELS Empathie. Fälle wie „Jetzt hab dich mal nicht so.“ oder „Du tust mir ja sooo was von leid… (du Emo)“ (Jemanden, der leidet, lächerlich machen) sind demnach KEINE Fälle von Mitleid und wegen der Nichtbeachtung des Grundsatzes von ahimsa (des Nicht-Schadens) erst recht nicht von Mitgefühl, sondern Fälle von mangelndem Einfühlungsvermögen als Folge von mangelndem „An-sich-ran-lassen (fehlende Offenheit des Herzens).

    Hilfreich ist es (das Mitleid) in keinem Fall, da es darüber hinaus hilfreiche Impulse blockiert und Leid unter Umständen sogar verstärkt.

    Anmerkung: Stimmt… 🙂

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