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Vitamin D? Ja, bitte…

Vitamin D – ein multifunktionales Prohormon

Im Verlauf der vergangenen 100 Jahre haben Vitamine große Bedeutung erlangt und werden in den Medien entsprechend kontrovers diskutiert.
Die Bedeutung ist deshalb so groß, weil mithilfe von Vitaminen heute Krankheiten vermieden oder geheilt werden können, die in früherer Zeit als unheilbar galten.

Beispiele für die Bedeutung des Vitamin D sind Rachitis und Tuberkulose, die in früherer Zeit oft gemeinsam auftraten.
Wer sich mit Mikronährstoffen (Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe) ein wenig auskennt, weiß, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D für die Knochengesundheit – und damit zur Vermeidung von Rachitis und Osteomalzie –  von maßgeblicher Wichtigkeit ist.

Weniger bekannt ist, dass auch die Lungenerkrankung Tuberkulose in engem Zusammenhang mit Vitamin D steht. Erst in den 1990er-Jahren wurde bekannt, dass
Vitamin D direkten Einfluss auf das Immunsystem hat und dort speziell die Aktivität der Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) der Atemwege fördert. Im Falle der Tuberkulose greifen diese Makrophagen das für die Tuberkulose verantwortliche Mycobacterium tuberculosis an.

Was bei der Entdeckung des Vitamin D nicht gleich bekannt war, ist, dass es sich per definitionem nicht wirklich um ein Vitamin handelt, sondern um die Vorstufe eines Hormons (Prohormon), da Vitamine essentiellen Charakter haben, Vitamin D aber durch UV-Licht-Bestrahlung im Körper selbst gebildet wird (eine Substanz ist essentiell, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden muss).
Aktives Vitamin D3 entsteht in mehreren Schritten, zunächst als Vorstufe in der Haut durch Sonnenlicht (UV) und im weiteren Verlauf weiterer Umwandlungen unter Mitwirkung von Cholesterin, Magnesium und Östrogen über Leber und Nieren.

Wirkungen im Körper

Wie oben bereits angedeutet, sorgt Vitamin D für gesunde Knochen. Dabei nimmt das Vitamin eine Vermittlerrolle ein. Einerseits ermöglicht es die Aufnahme von Calcium und Phosphor aus dem Darm, die beide maßgebliche Mineralstoffe der Knochen darstellen und andererseits beeinflusst es die Funktion zweier Hormone (Calictonin, Parathormon), welche den Calciumbedarf für die Knochen regulieren.

Weitere Wirkmechanismen finden bei der Bildung von Wachstumsfaktoren statt, sowie bei der Bildung von Zytokinen (Botenstoffe) im Bereich der Nerven. Ganz besonders wichtig ist Vitamin D für das Immunsystem. Hier werden Abwehrzellen des spezifischen Immunsystems „trainiert“ und Entzündungsreaktionen reguliert.

 Vitamin-D-Quellen

Als wichtigste Quelle für Vitamin D gilt die endogene (körpereigene) Produktion in der Haut. Zusätzlich kann Vitamin D über die Nahrung aufgenommen werden. Hier sind vor allem Tierprodukte zu nennen (aber bitte aus biologischer Tierhaltung!!), wie Rindfleisch, Leber, fetter Fisch (Hering, Makrele, Lachs, Sardine). In nennenswerter Menge findet es sich in Pilzen (vor allem getrocknet) in Form von Vitamin D2, welches in aktives D3 umgewandelt wird.

Mangelerscheinungen und darauf bezogene Erkrankungen

Da die Vitamin-D-Forschung noch relativ jung ist, gibt es zwar viele Hinweise auf mögliche Zusammenhänge von Vitamin-D-Mangel und Krankheiten. Überzeugende Belege existieren in vielen Fällen jedoch nicht.
Eindeutig ist der Zusammenhang mit Knochengesundheit und der Bedeutung für das Immunsystem. Häufige Infekte im Bereich der Atemwege können auf einen Vitamin-D-Mangel hinweisen (dieser Zusammenhang besteht übrigens auch für das Vitamin A). Dies gilt im Besonderen für COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Dafür, dass Vitamin-D-Mangel das Risiko für Prostata-, Brust- und Darmkrebs erhöht, liegen zumindest Hinweise vor. Auch Krankheiten wie Diabetes-Typ-1 (Autoimmunerkrankung) und Arthritis scheinen in Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel zu stehen.

Risikogruppen

Für alle nachfolgend genannten Risikogruppen ist eine Überprüfung des Vitamin-D-Status durch eine Blutuntersuchung sinnvoll und möglicherweise eine Supplementierung mit Vitamin D notwendig.

Alter: Ab 65 Jahren liegt die Hautsynthese beim Gesunden bei etwa 20% eines gesunden 30-Jährigen. Bereits ab 55 Jahren muss damit gerechnet werden, dass nicht mehr ausreichend Vitamin D über die Haut gebildet werden kann. Insofern ist viel Aufenthalt im Freien bei Sonnenschein dringend angeraten und die Überprüfung des Vitamin-D-Status per Blutprobe sinnvoll.

Besondere Ernährungsformen: Für vegan und vegetarisch lebende Menschen kann ebenfalls eine Unterverorgung vorliegen, wenn sie sich nicht ausreichend im Freien aufhalten und die Hautsynthese als einzige Vitamin-D-Quelle wegfällt.

Hauttyp: Das Stratum corneum der Epidermis, in dem sich 7-Dehydrocholesterol als Ausgangs-Substanz zur Bildung von Vitamin D befindet, ist bei Menschen mit dunkler Haut dicker, als bei Hellhäutigen, Dadurch und durch die höhere Pigmentierung, ist der notwendige Anteil des UV-Lichts wesentlich geringer und liegt im Vergleich zum Hellhäutigen bei etwa 20-30%.

Menschen mit Erkrankungen: Bei Krankheiten der Nieren, der Leber oder des Darms oder bei verschiedenen Formen von Krebs, ist je nach Schwere eine geringere Synthese von Vitamin D zu erwarten. Auch Medikamente können einen Mangel an Vitamin D verursachen.

Schwangerschaft und Stillzeit: Vitamin-D-Defizite bei Mutter und Kind sind nicht selten und sollten in jedem Fall abgeklärt werden.

Übergewicht: Übergewichtige tragen ein hohes Risiko der Unterversorgung, da Fettgewebe Vitamin D anreichert und nicht mehr in den Blutkreislauf zurückführt.

Tagesbedarf

Der allgemein empfohlene Tagesbedarf von 20 Mikrogramm wird bei häufigem Aufenthalt im Freien bei Sonnenschein in der Regel gut erreicht. 15 Minuten Aufenthalt bei Sonnenschein bewirken bei jungen hellhäutigen Menschen etwa 200-300 Mikrogramm Vitamin D. Die Aufnahme über die Nahrung spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Ausnahmen gelten für die oben genannten Risikogruppen oder wenn eine ausreichende Sonnenbestrahlung nicht möglich ist.