Archiv für den Monat: November 2020

Warum Zeit für Meditation verwenden?

„Ich habe keine Zeit!“

Mangel an Zeit ist definitiv ein sehr häufiges Ausschlusskriterium, wenn sich uns neue Projekte und Angebote offenbaren, die zwar attraktiv präsentiert werden, die aber noch nicht klar empfinden lassen, welche eindeutig nachvollziehbaren Vorteile damit für mich persönlich verbunden sind.

Die Argumente speziell für den Einstieg in die Meditation mögen gut klingen: innere Ruhe, Ausgeglichenheit, das Erkennen und Auflösen von Ablehnungs- und Ablenkungsverhalten, von Anhaftung, Trägheit, oder das Erkennen innerer Entscheidungsinstanzen, die vom ewigen Zweifel zu befreien beginnen oder ganz allgemein eine stabilere psychische und physische Gesundheit in Aussicht stellen.

Toll! Und wie fühle ich mich dann? Macht mir dann mein Beruf mehr Spaß? Oder löse ich damit meine Beziehungskonflikte? Bin ich dann ein anderer Mensch und sehe die Welt durch die rosarote Brille?

Einfach machen!

Solche Fragen, die Zweifel andeuten, erinnern mich an meinen Meditationslehrer, der mal gefragt wurde, wie man die Ablehnung gegenüber anstehenden Aufgaben überwindet?
„Man macht es einfach!“, war die Antwort. Im Ernst? So einfach??
Ja, er sagte das ganz ernst, ohne einen Zweifel daran erkennen zu lassen.
Wenn das jemand sagt, der durch die Praxis der Meditation einen sicheren Umgang mit sich selbst erreicht hat, dann ist das zunächst schon mal bemerkenswert.

Spirituelle Praxis, wie Yoga oder Meditation sind im Trend, ebenso wie der Trend zu fair gehandelten Lebensmitteln und gesunder Ernährung.
Ein Trend zieht diejenigen an, die dafür ansprechbar sind und auch andere folgen.

Meditation ist kein Unterhaltungsprogramm

Was Interessenten von Meditationskursen oft nicht bedenken, ist, dass Meditationspraxis nicht dem Einwerfen einer Pille entspricht. Bei weitem nicht.
Meditation ist Arbeit! Es kann enorm herausfordernd und bisweilen frustrierend sein. Es verlangt einen verdammt langen Atem, Durchhaltevermögen, Leidenschaft und Liebe! Und wer glaubt, er bucht mit einem Meditationskurs ein Unterhaltungsprogramm, der ist definitiv schief gewickelt.

Meditation ist einfach, aber nicht leicht

Ich denke, der erste Zahn, der einem Anwärter auf die meditative Praxis gezogen werden muss, ist, dass alles ganz leicht sein würde.
Meditation selbst ist ja im Grunde eine ganz einfache Sache. Sie ist in uns als Fähigkeit von Geburt angelegt. Es stellt sich dabei nämlich gar nicht die Frage, was ich tun muss, damit ich weiter komme. Es ist vielmehr die Aufforderung, Dinge sein zu lassen, die mich am Weiterkommen hindern. Genau diese Dinge, die aus Gewohnheiten und Bequemlichkeiten bestehen, tauchen ganz schnell auf und rauben die Motivation.
Allzu gerne hält man an Gewohnheiten fest, weil sie nun mal automatisch ablaufen und Kraft sparen. Das ist ja der Sinn der Gewohnheit. Gewohnheiten aufzulösen, fordert Kraft und Zeit.
Klar ist, dass es nicht darum gehen kann, alle Gewohnheiten aufzulösen. Die guten Gewohnheiten dürfen gerne bleiben und auch vertieft werden.

Achtsamkeit ist eine gute Gewohnheit

Achtsamkeit wird durch Üben und Immer-wieder-daran-Erinnern zur Gewohnheit. Natürlich gilt das nicht nur für die Zeit, in der ich eine Meditations-Methode übe, sondern es gilt vor allem für möglichst alle Situationen des alltäglichen Lebens.
Es geschieht, indem ich mir bewusst bin, was ich gerade denke, fühle und tue. Es ist ein klares Vergegenwärtigen, Erspüren und urteilsfreies Betrachten, bei dem ich immer tiefer in meine innere Welt eintauche. Es vertieft das Verständnis für mich selbst. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die man mit sich selbst eingeht.

Die geistige Reinigung geschieht weitgehend automatisch

Interessant ist, dass sich die Läuterung – also die Reinigung des Geistes – weitgehend automatisch vollzieht!
Auch wenn ich alle meine Aktivitäten achtsam und urteilsfrei betrachte, erkenne ich in manchen Aktivitäten eine sinnvolle und gute Aktivität und in anderen eben nicht.
Unser Geist ist grundsätzlich in der Lage, Sinnloses von Sinnvollem zu unterscheiden.
Die sinnvollen und sinnlosen werden mir eine Zeitlang immer wieder begegnen, weil sie nun mal ein Teil meiner Programmierung sind.
Je länger ich achtsam bin und auf mich selbst aufpasse, werde ich von den sinnlosen Gewohnheiten ablassen, weil sie mir als Hindernisse und Ballast erscheinen.

Meditation entfernt die „Zeiträuber“

Meditation lässt mich erkennen, was mir gut tut und was nicht. Es lässt mich erkennen, welche Gewohnheiten mich in gute und schlechte Situationen bringen. Dadurch entstehen Freude und Motivation und es wächst die Liebe für die Meditation und für mich selbst. Ich komme mir selbst näher. Ich werde mir selbst zum Freund, mit dem ich gerne Zeit verbringe, anstatt mir selbst hinderlich zu sein und Vieles in mir abzulehnen.