Archiv für den Monat: Juni 2020

Mit dem Natürlichen verbinden

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Wenn ich meinen Garten betrete und das Tor hinter mir schließe, gleite ich in eine andere Identität. Dann bin ich in meiner Familie aus scheinbar chaotisch koexistierenden wilden Kräutern, Blumen, Sträuchern und Bäumen. Da sind Vögel und Insekten, Spinnen und am Abend manchmal flink vorbei huschende Fledermäuse zu Besuch.

Ich spüre eine gleichmütige, lebendige und natürliche Gesetzmäßigkeit, in der meine Pflanzen- und Tierfreunde zuhause sind. Gleichzeitig spüre ich diese Gesetzmäßigkeit in mir selbst. Sie ist in einem inneren Raum in mir, zu dem ich während der vergangenen Jahrzehnte kaum Zugang hatte.

Als Kind konnte ich mich noch nicht dagegen zur Wehr setzen, dass mir eine von Menschen gemachte Welt aus Ideen, Vorstellungen und Zielen aufgebunden wurde. Heute ist es für mich das Bild eines zarten Sämlings, der beschnitten, versetzt und zurecht gebogen wird und dem seine ursprüngliche Bestimmung ausgetrieben wird.

Heute kann ich die einst verlorenen Triebe des Sämlings wieder erkennen und das Leben in ihnen wahrnehmen. Eine Instanz in mir sagt, dass ich mich daran halten muss, weil dort das wirkliche Wachstum und der eigentliche Sinn von Leben zu erfahren ist.

In meinem Garten erkenne ich Gesetze, die mich mit dem Geist meiner Urahnen verbinden, die ich in diesem Leben nie persönlich kennen lernen konnte. Aber sie sind überall um mich, sogar im Wind, in den Strahlen der Sonne, im Regen. Ich sehe ihre Freude in der Pracht von Blüten, ich sehe ihren Stolz in den kräftigen Armen der Baumäste und ich sehe ihre Zartheit in der filigranen Struktur der Blätter und Gräser. Ich sehe ihre Weisheit im vollkommenen Zusammenspiel der Kräfte.

Freiheit…

Bildquelle: Fuu J, lizenzfreie Bilder auf Unsplash.com

Wenn ich mich daran gewöhne, immer auf Äußeres zu reagieren, laufe ich Gefahr zur Marionette zu werden. Reaktionen folgen grundsätzlich auf Impulse von Ablehnung oder Anhaftung.
Ich kann dieses Muster unterbrechen, sobald ich es als solches ganz klar erkenne. Es ist der allererste und damit absolut wichtigste Schritt in Richtung Freiheit. Diese Erkenntnis ist entgegen fast aller unserer Lebensgewohnheiten, weswegen wir immer und immer wieder Unfreiheit und damit Leid erzeugen.
Unser Herz steht stellvertretend für ein vollkommen offenes Bewusstsein, in dem natürlicherweise Ablehnung oder Anhaftung ausgeschlossen sind.
Das Herz macht keinen Unterschied zwischen Innen und Außen, es kennt kein Ich und kein Du. Das Herz steht stellvertretend für Familie, in der die gesamte Existenz ihren Platz hat. Kein Blatt am Baum, kein einziges Tier, keine Mikrobe, kein einziger Mensch ist davon getrennt.
Diese Gemeinschaft als Wahrheit zu erkennen, würde Freiheit bedeuten.

Liebe üben

Wenn es um Problem- und Krisenbewältigung geht, wird sehr oft von Liebe gesprochen, die als Antidot gegen Angst eine verbindende, deeskalierende und harmonisierende, innere Haltung bewirkt.
Liebe, als Kraft und innere Haltung, bringt Vertrauen, Toleranz, Gleichmut, die Bereitschaft zu Verstehen und vor allem das Zurücksetzen selbstsüchtiger Neigungen in uns zur Geltung. Liebe stellt ihre Kraft in den Dienst harmonischer Koexistenz und verpflichtet sich ausschließlich zur Wahrheit, die erst nach dem Auflösen angstbesetzter Denkmuster nach und nach erkennbar werden kann.

So viele Menschen reden und schreiben über die Liebe und viele üben sich darin, die Liebe durch ihr Denken und Handeln tagtäglich in ihr Leben zu integrieren.
Ich beobachte das sehr oft im Umfeld meiner Freunde und Bekannten und es wird spürbar in vielen Beiträgen, die im Internet zu finden sind.

Gleichzeitig kann man beobachten, dass andere Kräfte – bewusst oder unbewusst – durch Rede und Handlung immer intensiver Angst und Panik streuen. Angst macht eng, sie trennt und misstraut und fördert selbstsüchtige Neigungen. Angst erzeugt belastende Emotionen, die unreflektiert zur Eskalation zwischen Menschen beitragen.

Wofür werde ich mich willentlich entscheiden? Das sollte die grundsätzliche Kernfrage sein, die ich mir jeden Tag öfter stellen sollte! Entscheide ich mich für die Liebe oder bleibe ich bei der Angst?
„Was würde die Liebe tun?“, kann ein Mantra sein, das mich durch den Tag begleitet.

Innere Demokratie

Priscilla du Preez, lizenzfreie Bilder auf Usplash.com

Was andere denken, sagen oder tun, kann ich nicht beeinflussen und das ist auch gut so. Ansonsten könnte ich schlimmstenfalls den Diktator in mir wecken.
Ich kann aber meine eigenen Gedanken, meine Rede und mein Handeln prüfen. Das kann schon mal wehtun, weil mir etwa die Hälfte von dem, was mich ausmacht, nicht gefällt und genau diese blöde Hälfte erkenne ich dann auch noch zielsicher in anderen. Wer hätte das gedacht?
Kein Wunder, wenn es Konflikte hagelt.
Es fällt mir oft schwer, meine unangenehmen Anteile zu akzeptieren. Wenn es mir gelingt,
fühlt es sich erleichtert an und die Türe zu meinen guten Anteilen öffnet sich von selbst und ich kann diese Anteile in mir stärken und nach außen bringen.

Ich nenne es „innere Demokratie“, mit sich selbst in konstruktiven Austausch zu kommen, Ablehnung zu vermeiden und sich als Ganzes fühlen zu lernen. In einer harmonischen, inneren Ganzheit finde ich andere Menschen und kann mich mit ihnen verbinden.