Mudras für die Meditation

Mudras zur Unterstützung der Meditation

Zur Unterstützung der Meditation verwende ich Mudras. Diese sind spezielle Hand- und Fingerhaltungen mit symbolischer Bedeutung. In manchen Abhandlungen wir ihnen auch eine bioenergetische Wirkung nachgesagt. In der tibetisch-buddhistischen Tradition verwendet man in der stillen Meditation 5 Mudras, die aufeinander aufbauen. Dabei bleibt die Haltung des Körpers während der gesamten Meditation unverändert. Gewechselt wird lediglich die Haltung der Hände.

  1. Mudra der Gleichmut (Tang Nyon)
  2. Mudra der liebenden Güte (Metta)
  3. Mudra des Mitgfühls (Karuna)
  4. Mudra der Erleuchtung (Bodhicitta)
  5. Mudra der Handlung

Ablauf der Meditation und Einbeziehung der Mudras

  • ich nehme die korrekte Sitzhaltung ein  (7 Punkte der richtigen Sitzposition nach Buddha Vairocana)
    • stabiler Sitz mit gekreuzten Beinen
    • pfeilgerade Wirbelsäule vom Becken bis zum Kopf
    • Kinn leicht eingezogen
    • Schultern leicht zurückgenommen
    • Blick nach schräg unten gerichtet

(1) Die Hände bilden die Mudra der Gleichmut.
In dieser ersten Phase bereite ich meinen Geist durch meine innere Einstellung und meinen Körper durch die korrekte Haltung auf die Meditation vor.

  • Die innere Einstellung:Mit der Mudra der Gleichmut ermögliche ich meinem Geist, eine entspannt beobachtende Haltung einzunehmen. Ich besinne mich darauf, auftauchende Gedanken oder Gefühle nicht zu werten und mich in eine innere liebevoll annehmende und nicht festhaltende und nicht ablehnende Wahrnehmung zu versenken (was da ist, darf jetzt da sein, aber ich lasse mich davon nicht vereinnahmen).
  • Der Körper Die Hände liegen im Schoß, ca. 4 Finger breit unterhalb des Nabels, im Bereich des Wurzelchakras. Die Hände bilden dabei als Mudra die Form eines Korbes mit Henkel, wobei die rechte Hand in der linken liegt. Die Daumenspitzen berühren sich leicht. Der Rücken wird durch eine starke und aufrechte Wirbelsäule vom Becken bis zum Scheitel senkrecht und gerade gehalten (stark und unerschütterlich wie ein Diamant). Das Herz ist durch die Haltung der Brust offen. Mit dem Gesäß spüre ich den Kontakt zur Erde. Mit der Oberseite des Kopfes stütze ich den Himmel. Das Kinn ist leicht eingezogen. Die betont aufrechte Haltung von Rücken und Kopf verleiht meinem Körper in senkrechter Linie eine angenehme Grundspannung. Diese Haltung verkörpert Würde, Offenheit und Aufrichtigkeit. Die Augen sind halb geschlossen und der Blick ist etwa einen Meter vor mir zum Boden gerichtet.

(2) Die Hände bilden die Mudra der liebenden Güte In dieser zweiten Phase besinne ich mich darauf, welche Wünsche und Gefühle ich für mich und meine Umwelt verwirklichen möchte.

  • Die innere Einstellung Ich besinne mich auf bedingungslose Liebe für mich selbst und alle Wesen (alle Wesen mögen glücklich sein).
  • Der Körper Während der unveränderten Sitzhaltung wechselt die Haltung der Hände zur Mudra der liebenden Güte (Metta). Die Handflächen liegen entspannt auf den Knien. Die Wärme der Hände überträgt sich auf die Knie. Diese Wärme symbolisiert meine Herzenswärme, die ich für mich und alle Wesen freigebe. Der Blick ist nicht mehr zum Boden gerichtet, sondern geradeaus in die Ferne. Die Augen sind geöffnet. Mit diesem Blick erreiche ich alle Wesen in nah und fern.

(3) Die Hände bilden die Mudra des Mitgefühls  In der dritten Phase der Meditation werde ich mir bewusst, dass es in der Welt und in mir selbst Schmerzen gibt, die als Leiden empfunden werden. Ich wünsche mir, alle Wesen und mich selbst von diesen Leiden zu befreien.

  • Die innere Einstellung In meiner Vorstellung atme ich die Leiden der Welt ein. Ich verwandle sie in mir zu Licht. Dieses Licht atme ich aus und lasse es in der Welt erstrahlen.
  • Der Körper Nun bilden die Hände die Mudra des Mitgefühls. Die linke Hand bildet in Höhe des Bauchnabels die Form eines Bootes. Die rechte ist direkt darüber und bildet die Form eines Daches. Die Insassen des Bootes sind diejenigen, denen mein Mitgefühl gilt.

(4) Die Hände bilden die Mudra der ErleuchtungIn der vierten Phase besinne ich mich darauf, dass ich ab jetzt anderen Wesen helfen werde, anstatt darauf zu warten,dass mir geholfen wird.

  • Die innere Einstellung Ab jetzt bin ich derjenige, der anderen Wesen helfen wird ihre Leiden zu überwinden. Ich werde mich ab jetzt dafür einsetzen, dass andere Wesen glücklich sein können. Dieser tiefe Wunsch möge dazu führen, dass ich letztendlich meine Buddhanatur verwirkliche.
  • Der Körper Die Hände liegen in Höhe des Herzens in Gebetshaltung aneinander. Die Daumen sind innen zwischen den Handflächen.

(5) Die Hände bilden die Mudra der Handlung In der fünften und abschließenden Phase setze ich den inneren Prozess in Gang, den ich während der vorigen Phasen vorbereitet hatte.

  • Die innere Einstellung Ich praktiziere Meditation, um schließlich erleuchtet zu werden. Dazu löse ich meine inneren Konflikte, entspanne mich und meinen Geist und reinige ihn von wertenden und verurteilenden Gedanken. Ich nähre die Liebe für mich selbst und alle Wesen und bemühe mich um die Auflösung der Leiden. Ich bin fest dazu entschlossen erleuchtet zu werden, um mich und alle Wesen dieser Welt zu heilen und glücklich zu machen.
  • Der Körper Die Hände bilden wieder die Mudra der Gleichmut, wie in der ersten Phase. Dieses Mal symbolisiert sie die Mudra der Handlung. Mein ganzer Körper ist in unveränderter ruhiger Haltung, aufrecht und wachsam gegenüber allem was auftaucht. Immer wieder besinne ich mich auf die korrekte Sitzhaltung.

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