Archiv für den Monat: Oktober 2018

Tonglen – Geburtshilfe für Mitgefühl

Mitgefühl und Selbstmitgefühl stärken
male hands holding girlfriend hands. Care and love concept

Tonglen ist seit etwa 1000 Jahren eine Meditationspraxis des tibetischen Shambala-Buddhismus. Übersetzt bedeutet Tonglen Geben und Nehmen, bzw. Aussenden und Annehmen. Die Praxis nutzt den Atem, um Glück zu geben und Leid zu nehmen.

Das Prinzip Tonglen sollte nicht als energetisch übersinnlicher Trick verstanden werden, der spontane Veränderungen im Außen zeitigt. Es geht bei dieser Technik alleine um die schrittweise Schulung und das Training des Geistes, was langfristig zu einer echten inneren Entwicklung und Reife führt. Bei dieser Praxis geht es um die Entwicklung von Mitgefühl, Empathie und Herzenswärme. In jedem Fall bewirkt Tonglen im eigenen Bewusstsein die Entwicklung heilsamer Geisteszustände und wirkt sich dementsprechend in der Folge auf das eigene Denken, Fühlen und Handeln aus. Durch die Visualisierung von Schmerz und Leid wird das Sich-Berühren-Lassen gestärkt und die Fixierung auf das eigene Ego wird verringert. Selbstverständlich geht es nicht darum, sich mit dem Einatmen von Schmerz und Leid selbst zu belasten. Es geht vielmehr darum, die eigene Selbstbezogenheit, Gleichgültigkeit und Abgrenzung gegenüber anderen Lebewesen (oder gegenüber sich selbst) zu verringern und sie in Mitgefühl umzuwandeln und das zukünftige Handeln in eine heilsame Form zu verändern. Das übende Bewusstsein wird daraufhin Mittel und Wege suchen und finden, um heilsame Impulse in die Tat umzusetzen. Die Übung des Tonglen nutzt also sowohl der Verbesserung des eigenen empathischen Bewusstseins, als auch anderen Lebewesen, die in der Folge mit dem Übenden in Kontakt kommen.
Eine Falle besteht darin, nur das eigene Leiden in den Fokus der Übung zu stellen und nur dieses eigene Leiden transformieren zu wollen. Der Sinn der Übung besteht aber darin, alle Wesen in den Wunsch nach Glück, Freude und Freiheit von Leiden einzubinden. Das entspricht dem Grundgedanken, dass Wesen nicht voneinander getrennt sind, und dass Glück nichts Exklusives ist. Das Einatmen des Leidens soll nicht als etwas Belastendes empfunden werden. Belastend wird es, sobald ich mich gegen das Leiden wehre und mich davor fürchte. Vielmehr sollte die Vorstellung des Leids als eine Kraft verstanden werden, die mein eigenes Ego auflöst, mich befreit, leichter, offener, mitfühlender und liebevoller macht. Ich öffne mich für alles das, was ist ohne mich dagegen zu wehren. Diese mitfühlende Offenheit und Akzeptanz bewirkt die Entstehung hellen Lichtes, das ich während der Übung an alle Wesen – einschließlich an mich selbst – sende.

Einatmen: man stellt sich vor, dass Schmerz oder sonstiges Leid in Form etwas Dunklem an das eigene Herz herangeführt wird.

Ausatmen: man stellt sich vor, dass helles Licht vom Herzen ausgeht und dorthin gelangt, wo es benötigt wird, um Schmerzen zu lindernoder sonstiges Leid aufzulösen.

Tonglen bei Pro-Nutrimentum:
Termine zur Anleitung und zum Üben von Tonglen und anderen Meditationstechniken findest Du auf meiner Webseite unter
https://pro-nutrimentum.de/Aktuelles/kurse%20und%20seminare.html

Nadabrahma – eine alte Geliebte wiederentdeckt

Um Missverständnissen vorzubeugen: Nadabrahma steht hier nicht für eine exotische Dame, sondern ist der Name für eine Meditationstechnik, die in Zusammenhang mit dem spirituellen Meister Osho (früher Bhagwan Shree Rajneesh) bereits in den 1970er-Jahren bekannt wurde.
Abgeleitet wurde diese Technik von einer alten tibetischen Meditation.

Bildquelle: Adobe Stock
Bildquelle: Adobe-Stock

Nadabrahma setzt sich aus den zwei Silben Nada (Klang) und Brahma (Welt) zusammen.  „Die Welt ist Klang“. Dies steht für die Bedeutung des Namens, was sich dann auch im Charakter der Übung ausdrückt.

Übende erzeugen während des ersten Teiles dieser 1-stündigen Sitz-Meditation einen Summton und dadurch eine Vibration im ganzen Körper. Was in klassischen tibetischen Meditationen oder im Zen die Achtsamkeit auf den Atem ist und damit als „Anker“ für den Geist dient, das ist bei Nadabrahma die Achtsamkeit auf Klang und Vibration.

Insbesondere die Vibration hat für unser Nervensystem eine sehr positive Wirkung!
Die verlängerte Ausatmung, die durch das Summen entsteht und zur Vibration im Körper führt, erhöht die Aktivität des Parasympathikus („Ruhenerv“) im Verhältnis zum Sympathikus („Stressnerv“). Dies wiederum aktiviert den Vagusnerv, was Glücksgefühle erzeugt und zu innerer und äußerer Entspannung beiträgt. Menschen mit hoher „allostatic load“ (Dauerstress), profitieren sehr davon.

Im zweiten Teil werden die Hände sehr langsam kreisförmig bewegt. Zunächst mit den Handflächen nach oben, dann nach unten. Dabei wird die Abgabe und die Aufnahme von Energie an und vom Kosmos visualisiert.

Die ganze Meditation ist von Musik begleitet, die seinerzeit von Chaitanya Hari Deuter (Georg Deuter), einem Schüler Osho’s, komponiert wurde.

Im letzten Teil folgt eine stille Phase, die im ruhigen Liegen ausgeführt wird. Dabei liegt der Fokus auf der reinen, entspannten Körperwahrnehmung.

Kürzlich habe ich diese wundervolle Meditation wiederentdeckt und war wieder begeistert davon, wie tief sie Körper und Geist entspannt.
Nadabrahma wird demnächst auch Teil meiner Meditationskurse sein.